Warten auf Godot

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    Samuel Beckett hat 1949 das Stück „Warten auf Godot“ geschrieben. Ein absurdes Theater in dem die Protagonisten auf einen Unbekannten namens Godot warten. An den Grund der Verabredung können Sie sich nicht mehr erinnern, auch Zeit und Ort der Verabredung ist nicht ganz klar. Tagtäglich spielt sich eine nahezu idente Handlung ab, geprägt durch das sinnlose Warten auf der Parkbank. Warum erzähle ich das? In meiner Schulzeit konnte ich mit diesem Theaterstück nicht viel anfangen. Ich konnte keinen Bezug herstellen zur „Realität“. Mir erschien es sinnlos, langweilig und – eben absurd – warum Menschen das tun sollten. Warten. Warten auf etwas Unbestimmtes, Undefiniertes. Auf etwas zu warten, wo man selbst nicht mal mehr weiß, warum und worauf man da wartet.

    Heute kann ich es verstehen. In der jetzigen Zeit macht dieses Theaterstück Sinn. Also nicht Sinn von „ich verstehe, warum man das tut“, sondern Sinn im Sinn von – „ah aus so entsteht dieser Wartemodus bei machen Menschen“.

    Worauf warten wir? Worauf wartest du? Viele von uns sind in den letzten Monaten in einem ständigen Wartemodus. Andere warten, kommen dann kurz wieder raus – und warten dann wieder. Darauf, dass der Lockdown light sich wieder lockert, darauf dass Corona „vorbei ist“ (was immer das bedeutet), dass es besser wird, wieder so wird wie früher, dass das Jahr vorbei ist.

    Was ich da schon alles gehört habe… Und auch ich merke ab und zu, dass ich in diese Box reinrutsche. Aufhöre etwas zu tun, Neues zu entwickeln – und warte. Dieses Warten macht mich dann aber ganz schnell unzufrieden, unausgeglichen, mürbe.

    Während wir warten, zieht unser Leben an uns vorbei. Während wir warten, sind wir immer im Außen und sind selten präsent mit uns selbst. Was soll aus dieser Situation heraus entstehen?

    Klar, bestimmte Dinge können wir gerade nicht so tun, wie wir es gewohnt sind. Und wir sind ständig aufgefordert und heraus gefordert, aus unseren Gewohnheiten auszusteigen und uns wieder mit neuen Situationen zurecht zu finden. Aber was, wenn das nichts Schlechtes wäre? Was, wenn es einfach Zeit ist, aus der Komfortzone auszusteigen und – einfach zu tun? Dinge zu tun, die wir schon lange vor uns herschieben? Oder einfach – leben? Die Zeit zu nutzen – für uns, für unseren Körper und unsere mentale und körperliche Gesundheit?

    Immer wieder höre ich, dass es sinnlos erscheint. Ja das mag ab und an sein, und dieses Gefühl darf auch anerkannt werden. Aber dann wird es auch Zeit, wieder aus dem Drama der Sinnlosigkeit auszusteigen und zu leben! Die Verantwortung für sich selbst wieder zu übernehmen und nicht mehr darauf zu warten, dass jemand im Außen sagt, wann wir welchen Schritt setzen dürfen.